Seit dem 8. Juni befinden sich 15 Gefangene im Abschiebegefängnis in Glückstadt im Hungerstreik.
Mit ihrem Protest machen die Gefangenen auf ihre Haftbedingungen und die Auswirkungen der Abschiebungshaft aufmerksam. Wir sind solidarisch mit den Gefangenen und wünschen Ihnen Kraft, Mut und Zuversicht. Gemeinsam mit ihnen fordern wir ihre Befreiung, die benötigte medizinische und psychologische Unterstützung und ein Leben mit einer sicheren Zukunftsperspektive – ohne Abschiebung oder Abschiebehaft.
Aus der Pressemitteilung entnehmen wir die Erklärung der Inhaftierten:
„Wir sind keine Kriminellen. Trotzdem werden wir monatelang festgehalten – teilweise bis zu sechs Monate. Unter uns sind ältere Menschen, Kranke und Personen mit schweren psychischen Belastungen. Viele erhalten keine angemessene medizinische oder psychologische Betreuung.
Die lange Haft zerstört unsere Gesundheit, unsere Hoffnung und unsere Würde. Wir leben in Angst, Unsicherheit und Verzweiflung. Diese Behandlung verstößt gegen die Menschenrechte und die Prinzipien der Menschlichkeit.“
„Hört unsere Stimmen. Seht unser Leid. Vergesst uns nicht. Wir wollen unsere Freiheit so schnell wie möglich. Freiheit, Würde und Gerechtigkeit für alle Menschen.“
schreiben die Inhaftierten. Außerdem fordern sie angemessene medizinische und psychologische Versorgung, schnelle und faire Bearbeitung ihrer Fälle und ein Ende der unverhältnismäßig langen Abschiebungshaft.
zum Hintergrund:
Das Abschiebegefängnis Glückstadt ist seit fünf Jahren in Betrieb und wird von den Bundesländern Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg genutzt. Seit der Inbetriebnahme wurden dort mehr als 1.000 Menschen inhaftiert; die meisten von ihnen wurden anschließend abgeschoben.
Insbesondere die Ungewissheit über die weitere Zukunft, unzureichende medizinische Versorgung und die psychischen Folgen der Haft belasten viele Inhaftierte schwer. In den vergangenen Jahren kam es wiederholt zu Hungerstreiks, Zellenbränden und Selbstverletzungen.
Kritik richtet sich zudem gegen den Einsatz von Isolationsmaßnahmen. Inhaftierte, die dem Druck der Haft nicht mehr standhalten,werden regelmäßig in besonders gesicherte Hafträume isoliert verlegt. Diese verfügen über kein Tageslicht, stehen unter permanenter Kameraüberwachung und die Betroffenen müssen dort teilweise lediglich in Unterwäsche stunden- oder tagelang bleiben.
Bei unserem letzten Treffen haben wir uns spontan zu einem Soli-Foto zusammengefunden, um unsere Solidarität mit den Hungerstreikenden zum Ausdruck zu bringen.

Update vom 12.06 2026 aus einer Pressemitteilung der Initiative „Kein Abschiebegefängnis in Glückstadt und anderswo!“:
Hungerstreik in Glückstadt beendet – Vorwürfe von Druck auf Inhaftierte
Der am 08.06.2026 begonnene Hungerstreik von zunächst 15 Inhaftierten der Abschiebungshafteinrichtung Glückstadt (Kreis Steinburg, Schleswig-Holstein) ist offenbar beendet. Einschüchterungen durch das Gefängnispersonal führten dazu, dass die Streikenden die Aktion abgebrochen haben.
Mit ihrem Protest forderten die Inhaftierten insbesondere eine menschenwürdige Versorgung und Behandlung sowie ein Ende der aus ihrer Sicht unverhältnismäßig langen Abschiebungshaft. (…)
Einer der Inhaftierten, der am Hungerstreik beteiligt war, berichtet von seiner Inhaftierung: „Mein Gott, der Druck ist enorm, ein immenser Druck und du hast nichts falsch gemacht.“ Ein weiterer Inhhaftierter beschreibt die Behandlung im Abschiebegefängnis mit den Worten, sie behandeln uns „not like humans, like animals“.
Aus der Gruppe der Hungerstreikenden gibt es schwere Vorwürfe gegenüber der Leitung und des Personals des Abschiebegefängnisses, so wurde Isolation im sogenannten Keller, dem „besonders gesicherten Haftraum“ angedroht, wenn der Hungerstreik nicht beendet wird.
Ela Hazem, Sprecherin der Kampagne „Kein Abschiebegefängnis in Glückstadt und anderswo!“:
„Am Montag erreichte uns die Nachricht über den Hungerstreik aus dem Gefängnis. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, die Stimmen der Inhaftierten und ihren Protest nach außen zu tragen. Dass das Justizministerium und die Gefängnisleitung versuchen, den Protest zu delegitimieren, überrascht uns nicht. Bereits vor zwei Jahren wurden Fakten geschaffen, als ein Inhaftierter nach elf Tagen Hungerstreik abgeschoben wurde. Unsere Solidarität gilt allen Inhaftierten der Abschiebehaft Glückstadt.“
Die Abschiebungshafteinrichtung in Glückstadt ist seit fünf Jahren in Betrieb. Seit ihrer Eröffnung wurden weit mehr als 1.000 Menschen inhaftiert – allein mit dem Ziel, ihre Abschiebung abzusichern. Seitdem kam es wiederholt zu Fluchtversuchen, Zellenbränden, Hungerstreiks und Selbstverletzungen.
https://www.instagram.com/glueckstadt_ohne_abschiebehaft/