Wo Geflüchtete leben, probt die Bundeswehr Krieg

Seit Freitag, 13.3.2026, wird auf dem JHQ-Gelände geschossen.

Dort führt die Bundeswehr eine einwöchige Übung durch.

Neben Schüssen (mit Platzpatronen) werden eine Woche lang auch andere Manöver sowie der Einsatz von Drohnen geprobt. Es sollen bis zu 80 Soldaten, 25 Fahrzeuge und 8 Drohnen bei der Übung eingebunden sein. „Als Beispiel nennt die Bundeswehr dafür simulierten Gefechtslärm und Fahrzeuggeräusche.“ berichtet etwa die Rheinische Post.

Ein Vorgeschmack auf das, was die Landesregierung mit „Dual Use“, der Nutzung der Fläche für die Bundeswehr und für das geplante Abschiebegefängnis, meint. Auf dem selben Gelände, nur mit einem Zaun abgetrennt, befindet sich zudem eine Geflüchtetenunterkunft – eine Erstaufnahmeeinrichtung (EAE). Die EAE ist die erste Unterkunft für Menschen nach ihrer gefährlichen Flucht vor Krieg, Krisen und/oder Verfolgung. Hier erleben sie die ersten Wochen in Deutschland und durchlaufen das Asylverfahren. In der EAE auf dem JHQ-Gelände leben aktuell etwa 700 Menschen. Erst am Freitag sind wieder Menschen dort angekommen. Es ist ihr erster Aufenthalt in Deutschland nach einer gefährlichen Flicht vor Krieg, Krisen und Verfolgung. Wir gehen zum Beispiel davon aus, dass auch Menschen, die gerade erst dem Drohnenkrieg in der Ukraine entkamen, in der EAE leben. Schießübungen und Drohnenflüge in direkter Nähe mitzuerleben, kann sowohl bei Kindern und als auch bei Erwachsenen zu ernsthafter (Re-)Traumatisierung führen.

Auch unabhängig von der Bundeswehrnutzung finden auf dem Gelände Drohen- und Einsatzübungen der Landespolizei und von Zollspezialeinheiten statt. Auch im Rahmen dieser wird geschossen. So ist das Polizeigelände auf dem JHQ mit der Beschilderung „Achtung Schießstand“ umzäunt und es liegen uns Fotos von größeren Patronenhülsen vor, die Menschen auf dem Gelände entdeckt haben. Die Schießübungen sind also keine einmalige Ausnahme und der abweisende Umgang mit Geflüchteten wird weiter normalisiert.

In Akten des Ministeriums – die das Bündnis im Rahmen einer Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz eingeklagt hat – wurde schon 2021 vor der Nähe der EAE zu einem möglichen Abschiebegefängnis gewarnt: „negative Auswirkungen“ auf „häufig traumatisierte“ Geflüchtete, die „möglicherweise grade erst einer Verfolgungssituation entkommen sind“ wurden dort vom zuständigen Ministerium angeführt [IFG Anfrage 1 Akte 3 S.765].

Krieg und Krisen sind aktuell allgegenwärtig. Die Geflüchteten, die hier her kommen, fliehen genau vor diesen tödlichen Zuständen. Sie suchen Schutz und Sicherheit. Doch stattdessen werden sie in riesigen Einrichtungen, abgelegen am Waldrand, untergebracht, wo sie Gewalt und Retraumatisierung ausgesetzt sind. Das Asylsystem wird ausgehöhlt. Abschiebungen sollen zum Standard werden. Der geplante Bau des Abschiebeknastes vor Ort steht damit in einem direkten Zusammenhang.

Bildbeschreibungen:

1: Zaun um das JHQ Gelände. Auf dem dort angebrachten Schild steht: „Achtung – Schießstand Lebensgefahr! Betreten verboten“

2: Patronenhülsen und Blättern auf aspahltiertem Boden

3: Ein Teil der EAE Rheindahlen, hinter einem hohen Zaun

Alle Fotos stammen vom JHQ-Gelände und wurden Anfang 2025 aufgenommen. Vielen Dank an den Ersteller, dass wir sie verwenden dürfen!

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